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  Nr. 178   Schreibtisch Antik
Schreibtisch mit Sideboard, Entwurf Studio Ernst Igl, Hersteller Werndl, Rosenheim 1970
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  zur Beschreibung
Stil und Zeit
Maße, Materialen und Funktion
Zustand/Restaurierung
 
 
 
 
  Stil und Zeit:
Das ist nicht etwa eine Persiflage auf die Kommandozentrale der Mondbasis Alpha 1, sondern ein ernst gemeinter Versuch, den Möbelbau zu revolutionieren.
Möbel aus Kunststoff-Formteilen waren eine Zukunftsvision der 60er und frühen 70er Jahre, die aber seinerzeit mangels Nachfrage nur in geringen Stückzahlen umgesetzt werden konnte.
Erst durch die Retrowelle der letzten Jahre zeigt sich, dass die Idee vom Plastikmöbel auch in breiteren Bevölkerungsschichten aufgeht, Möbel im Space Age-Design gibt es mittlerweile auch bei Ikea.

Die einst eher als Sonderlinge behandelten Urväter des Kunststoffmöbels wie Panton, Colombo oder Colani gelten heute als etablierte Mitgestalter des 20. Jahrhunderts. Ernst Igl ist mit seinem Designstudio auch heute nur wenigen bekannt, obwohl er mit seinen kuriosen Schreibtisch-Entwürfen wesentlich mehr Furore verdient hätte.

Außer diesem Modell hatte er in den frühen 70ern noch zwei weitere Schreibtisch-Modelle entworfen, jeweils mit zugehörigen Accessoires wie Regalen und Sideboards und wohl auch Schreibtischstühlen.

Bei der Firma Werndl ging aber nur unser Modell in Serie, wahlweise in verschiedenen Farben und Ausstattungsvarianten, so auch ein Captain Kirk-mäßiges Sondermodell mit integriertem Telefon und Schaltzentrale.
Die Produktion lief nur kurz, Re-Editionen aus jüngerer Zeit gibt es nicht.

Doch immerhin erhielt man damals den "red dot" des Design Zentrums NRW.
Eine weitere Adelung erfuhr der Schreibtisch durch die Aufnahme in die einschlägige Fachliteratur: K.-J. Sembach, Modern Furniture Designs, 1950-1980s, New York, 1982.

Funktion und Fertigung:
Revolutionär und für einen Schreibtisch weltweit erstmalig war nicht allein die Verwendung von Kunststoff, sondern daraus unmittelbar folgend die Herstellung des gesamten Korpus in einem Guss Polyurethan-Schaum. Hätte sich dieses Verfahren durchgesetzt, wären Möbeltischler heute überflüssig.

Die Schubladenfronten sind im Kern gleichfalls aus Polyurethan, die Schreibtischklappe und die Schiebetüren des Sideboards sind hingegen aus Spanplatte.

Polyurethan und Spanplatte sind unter Ihrer gleichartigen Lackbeschichtung nicht zu unterscheiden.

Oberhalb der Platte gibt es noch ein Panel aus gebürstetem Aluminium (Foto), das in diesem Fall reine Zierfunktion hat, bei dem oben erwähnten Sondermodell wurde hier das Telefon integriert.

Die aufklappbare Schreibfläche kann mit einem Schlüssel abgeschlossen werden, im Stauraum unter der Schreibfläche gibt es eine Zentralverriegelung mit der auch die Schubladen verriegelt werden können.

Die beiden unteren Schubladen haben mit 17 cm die doppelte Tiefe.

Trotz allem Kunststoff ist dem Schreibtisch eine wohlige Solidität anzumerken, Werndl hatte auch damals schon einen guten Ruf zu verlieren.

Zustand/Restaurierung
Während die dunkelbraune Beschichtung des Korpus noch in sehr schönem Zustand erhalten ist, wurde die grüne Originallackierung an Schubladenfronten, Schiebetüren und Klappe offenbar vor nicht allzu langer Zeit abgeschliffen und durch eine weiße Lackierung ersetzt.
Das sah zwar gut aus, doch um den Charme der 70er Jahre wiederzuerwecken wurden die Bereiche von uns wieder in Ihre ursprüngliche Farbigkeit zurückversetzt. Der genaue Ton des originalen Grüns ließ sich nach Befund leicht rekonstruieren, war es doch der RAL-genormte Ton Farngrün.
Die Lackierung erfolgte mit seidenmattem Acrylat in der fusselfreien Lackierkabine und sieht sehr stimmig aus.

Der Riffelgummi-Belag am Sockel, auf den man seine Füße stellen kann, wurde erneuert (Foto). Ob der Bereich im Originalzustand gleichartig gummiert war ist nicht bekannt, zuletzt war hier ein altes Stück Teppich verlegt. Der Gummi ist noch nicht endfertig verlegt, auf Wunsch kann hier auch noch was anderes aufgezogen werden.

Der Kugelgelagerte Bajonett-Auszug einer der unteren Schubladen war aus dem Schubladenkorpus ausgebrochen und verloren. Er wurde durch einen neuen ersetzt. Dabei musste etwas improvisiert werden, was jedoch keine technischen Nachteile mit sich bringt.

Alles in allem sind Schreibtisch und Sideboard mit der Restaurierung in einen fast schon wieder neuwertigen Zustand versetzt worden.

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